Im Alltag scheint Zeit für alle Menschen gleich zu vergehen. Eine Sekunde dauert immer eine Sekunde, egal wo man sich befindet. Doch die moderne Physik zeigt, dass dieser Eindruck täuscht. Zeit ist keine feste, unveränderliche Größe, sondern hängt von Bewegung und Gravitation ab.
Ein entscheidender Faktor ist die Geschwindigkeit. Nach der speziellen Relativitätstheorie vergeht Zeit für bewegte Objekte langsamer als für ruhende. Je näher sich ein Objekt der Lichtgeschwindigkeit bewegt, desto stärker wird dieser Effekt. Für den bewegten Beobachter selbst fühlt sich die Zeit normal an, doch im Vergleich zu einem außenstehenden Beobachter läuft sie langsamer.
Auch Gravitation beeinflusst den Lauf der Zeit. In starken Gravitationsfeldern, etwa in der Nähe eines massereichen Planeten oder eines Schwarzen Lochs, vergeht Zeit langsamer als in schwächeren Feldern. Dieser Effekt wird durch die allgemeine Relativitätstheorie erklärt. Zeit und Raum werden durch Masse und Energie gekrümmt, und diese Krümmung verändert den Zeitfluss.
Diese Effekte sind keine theoretischen Gedankenspiele, sondern messbare Realität. Satelliten des GPS-Systems müssen ihre Uhren regelmäßig korrigieren, da sie sich schnell bewegen und sich weiter vom Erdschwerefeld entfernt befinden. Ohne diese Korrekturen würden Navigationssysteme schnell ungenau werden.
Zeit vergeht also nicht für alle gleich schnell, weil sie Teil der Struktur des Universums ist. Bewegung und Gravitation beeinflussen sie genauso wie sie Raum beeinflussen. Was wir als gleichmäßigen Fluss der Zeit empfinden, ist nur eine Annäherung, die in unserem Alltag gut funktioniert, im kosmischen Maßstab jedoch ihre Grenzen hat.