Unser Zeitempfinden hängt stark davon ab, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Wenn wir vollständig in eine Tätigkeit vertieft sind, erleben wir Momente intensiver und die Zeit scheint schneller zu vergehen. Umgekehrt dehnen sich Sekunden oft, wenn wir abgelenkt sind oder uns auf die vergehende Zeit konzentrieren.

Aufmerksamkeit steuert, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet. Im „Flow-Zustand“ – einem Zustand völliger Konzentration und Engagement – nimmt das Gehirn weniger äußere Zeitreize wahr. Stunden können wie Minuten erscheinen, weil wir vollständig in der Handlung aufgehen und die Uhr kaum beachten. Kreative Tätigkeiten, Sport oder intensive Gespräche sind typische Beispiele, in denen Menschen den Flow erleben.

Wenn wir dagegen gelangweilt, gestresst oder unsicher sind, richtet sich unsere Aufmerksamkeit stärker auf die vergehende Zeit. Jede Minute wird bewusst wahrgenommen, und die subjektive Dauer einer Handlung oder Wartezeit verlängert sich. Unser Gehirn verarbeitet Details intensiver, wodurch die Zeit „langsam“ erscheint.

Auch Erinnerungen und neue Erfahrungen beeinflussen die Wahrnehmung von Momenten. Neue, intensive Erlebnisse wirken während und nach der Erfahrung länger, während Routineerfahrungen in der Rückschau kürzer erscheinen.

Indem wir lernen, unsere Aufmerksamkeit bewusst zu lenken – zum Beispiel durch Achtsamkeit, Fokussierung auf den Moment oder bewusste Pausen –, können wir unser Zeitempfinden aktiv beeinflussen. Wir nehmen Momente intensiver wahr und gestalten so den Alltag subjektiv reicher.

Unser Zeitgefühl ist also ein direktes Produkt unserer Aufmerksamkeit: Wer bewusst erlebt, kann Zeit sowohl während des Moments als auch in der Rückschau intensiv und erfüllend wahrnehmen.